Ein fliegerisches Fazit

Da das Wetter ja zur Zeit nicht wirklich flugtauglich ist, habe ich beschlossen, jetzt schon ein Fazit über meine gesamte Flugausbildung zu schreiben – und damit ist dieser Teil des Blogs dann auch zuende! Alle weiteren fliegerischen Tätigkeiten kommen dann in ein neues Themenfeld rein – denn man lernt ja nie aus!

In den letzten Tagen habe ich viel Zeit damit verbracht, mir meinen eigenen Thread immer und immer wieder durchzulesen und war wirklich erstaunt, wie sich innerhalb von zwei Jahren sowohl die fliegerischen, als auch die privaten Umstände stets verändern. Aber fangen wir mal mit meinem ersten Eintrag im Blog an:

Trotz allem bleibt für den Moment das Gefühl, dass ich die Koordination zwischen all den Instrumenten, Bedienelementen, Schalthebeln und der Flugraumbeobachtung in mühsamer Kleinarbeit lernen muss – für den Moment bin ich damit nämlich wirklich überfordert…

Ja, das war ich wirklich! Diese Dreidimensionalität hat mir und meinem Verstand wirklich alles abgefordert, und ich habe sehr lange gebraucht, bis ich mich endlich an die drei Achsen im Raum gewöhnt hatte – knappe anderthalb Jahre, in denen ich aber teils wegen privater Angelegenheiten einfach nicht regelmäßig zum Fliegen kam.

Wie jeder weiß, musste ich aufgrund Lehrermangels mitten in meiner Ausbildung die Flugschule bzw. damit verbunden dann auch den Verein wechseln. Das war für mich eine sehr große Umstellung, da ich mit der CTSW meiner alten Flugschule überhaupt nicht „warm“ wurde – und siehe da, mit der Zodiac funktionierte es auf einmal deutlich besser.

Allen Unkenrufen zum Trotz habe ich meine Schulung zum BZF I bei Th. M. durchgefürt, was absolut zielführend war – ich war für die Prüfung bestens vorbereitet und habe im Vergleich mit anderen hervorragend abgeschnitten.

Auch die Theorieschulung in Tannheim bei Verena Dolderer – mal wieder mangels Fluglehrern in Donzdorf „auf eigene Faust“ durchgeführt – erwies sich als Volltreffer, denn die dortigen Dozenten wussten alle über ihre jeweiligen Fachgebiete hervorragend Bescheid. Vor allem die Meteorologie hatte es mir angetan, sodass ich inzwischen von meinen Kollegen respektvoll als „Wettergott“ betituliert werde :-)

Dann folgte eine lange Durststrecke vom September 2012 bis in den Juni 2013, die zum einen aufgrund des Wetters, zum anderen wegen privater Angelegenheiten sich auf diese Länge ausdehnte. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich wegen der „Zähigkeit“ das ein oder andere Mal wirklich daran gedacht hatte, die Flugausbildung auf Eis zu legen – Gott sei Dank war der Flugwille jedesmal stärker und ich biss mich ein ums andere Mal durch sämtliche Unwägbarkeiten!

Ab dem Juli 2013 ging es dann stetig bergauf mit meinen Flug-Kenntnissen. Die Landungen und Starts wurden stets besser, sodass ich im September 2013 endlich meinen ersten Alleinflug durchführen konnte. Ich war in diesem Moment wohl der glücklichste Mensch auf Erden. Ein Lied, das mich an dieser Stelle immer wieder zum Durchhalten motiviert hat, möchte ich euch nicht vorenthalten:

Reinhard Mey – Alleinflug

Ich kann mich noch an jenem Vormittag seh‘n,
In der Frühsommersonne am Hangartor steh‘n,
Nach dem Hochdecker schielen, der mir gut bekannt,
In der Brise leis‘ knarrend am Vorfeldrand stand.
Und dann höre ich sagen, es sei wohl soweit,
Und ich rein in die Kiste, verlier‘ keine Zeit,
Auf dem Rollweg durch‘s Gras, das sich im Luftstrom wiegt,
In die Bahn, die in flimmerndem Licht vor mir liegt.

Der Wind in den Streben,
Ein Rütteln, ein Beben,
Dann endlich abheben,
Mit einem Mal schweben,
Ein Blick auf die Spielzeugwelt unten voraus,
Über mir nur die Tiefe des endlosen Blaus,
Und eindreh‘n und neigen, ausrollen und steigen,
In rauschendem Reigen, in sprachlosem Schweigen,
Sich winzig zu wissen und zugleich so groß,
Erhaben und glücklich und schwerelos,
Einen Gedanken lang, einen Augenblick bloß.

Ich kam mir beim Abstellen vorm Hangartor
Wie Lindbergh nach seinem Atlantikflug vor.
Ich kam seitdem von mancher Reise nach Haus,
Aber so stolz wie damals stieg ich nie wieder aus.
Ich kenn‘ Himmelhunde zu Haus in der Luft,
Sowas von abgebrüht, sowas von ausgebufft,
Aber keinen, selbst wenn er die Umlaufbahn fliegt,
Der zurückdenkt und nicht doch glänzende Augen kriegt.

Seit dem Tag habe ich wohl manche Ölspur gelegt,
Ist mir manch‘ kalte Bö um die Nase gefegt,
Hab‘ ich grimmig manche Wetterkarte zerpflückt,
Mich in muffigen Flugplatzcafés rumgedrückt.
Und doch muß ich nach jedem Kondensstreifen seh‘n,
Mich nach allen Motorengeräuschen umdreh‘n,
Und bei jedem Start kribbelt es doch ganz egal
Zum wievielten Mal, noch wie beim ersten Mal.

Zum Anhören findet ihr es hier!

Ab diesem Moment ging es Schlag auf Schlag: Die 200-km-Flüge und auch den Dreiecksflug über jeweils 50 km – sowohl mit Fluglehrer als auch alleine – waren Meilensteine auf meinem Weg zur SPL! Und auch das ständige Platzunden-„Schrubben“ zeigte auch bald seine Resultate: Die Landungen wurden ein ums andere Mal koordinierter und besser, was ich auch von meinen Fluglehrern bestätigt bekam – an dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an meine beiden Lehrer Wolfgang und Eberhard, die mich wirklich in jeder Lage unterstützt haben!

Den Winter 2012/2013 in Erinnerung, dachte ich nicht daran, die Lizenz vor dem Sommer 2014 in Händen halten zu können. Aber siehe da: Petrus war mir gnädig, und so konnte ich all meine Flüge, die noch gefordert waren, durchführen, was dann zu meinem Prüfungsflug am 22.02.2014 führte! Nachdem ich den Prüfungsflug zwei Wochen vor diesem Termin wegen eines defekten Kühlers absagen musste, war ich natürlich doppelt nervös – es hat aber hervorragend geklappt und schon zwei Werktage später hatte ich die ersehnte Lizenz in Händen :-)

Nun noch die Flüge für die Passagierlizenz, und seit Dienstag dieser Woche habe ich nun auch diese Berechtigung in der Tasche!

Die Ausbildungszeit war für mich teilweise nicht einfach, aber mit Hartnäckigkeit und Lernwille habe ich auch diese Hürde genommen. Zuletzt folgen noch ein paar Fragen, die ich mir selbst zur Ausbildung gestellt habe, und die euch vielleicht auch interessieren könnten.

1.) Würdest du die UL-Ausbildung wieder im Verein durchführen?
Definitiv ja! Es dauert zwar etwas länger als in einer professionellen Flugschule, allerdings sind die Kosten geringer. Und was noch viel wichtiger ist: Ich habe dort soviele nette Menschen kennenlernen dürfen und mich aktiv ins Vereinsleben eingebracht, dass ich nach nur anderthalbjähriger Zugehörigkeit gestern bei der Jahreshauptversammlung in den Vorstand gewählt wurde. Wenn das kein Zeichen von menschlicher Zuneigung ist, was dann?

2.) Was war das eindrucksvollste Erlebnis während deiner Zeit als Flugschüler?
Viele werden sagen: Der erste Alleinflug! Das war bei mir nicht anders, aber ein anderes Erlebnis war genauso spektakulär: Der erste tiefe Überflug über die Stuttgarter Runway :-) Aber da hat wohl jeder selbst sein eigenes Faible…

3.) Jetzt, wo du den Schein hast, was hast du damit vor?
So vieles, zuviel, um es alles aufzuschreiben :-) Aber eine Sache will ich mir baldmöglichst erfüllen: Einen Flug mit der Zodiac nach Mallorca! Wozu hab ich denn das BZF I gemacht? 😉

Das wars nun aber wirklich von meiner Seite. Was ich allen Flugschülern mit auf den Weg geben will: Auch wenn es ab und an nicht so klappt, wie ihr euch es vorstellt – bleibt hartnäckig und verliert nicht euer Ziel, den SPL, aus den Augen! Sämtliche Mühen und Entbehrungen zahlen sich in dem Moment aus, in dem ihr den SPL endlich in Händen haltet!

Ich habe fertig! :-)

Always happy landings!

Euer Tobias