Passagierlizenz, ich komme!

Heute habe ich meine Flüge für die Passagierlizenz „voll gemacht“! :-)

Nachdem der Wetterbericht für den heutigen Tag sehr gut ausgesehen hat, habe ich gestern einen Tag Urlaub beantragt, der dann auch direkt genehmigt wurde. So war ich mir sicher, dass ich die beiden geforderten Flüge über jeweils 200 km mit Zwischenlandung hinbekommen würde.

Mein Fluglehrer Wolfgang und ich verabredeten uns also um kurz nach neun auf unserem Flugplatz, dem Segelfluggelände Gruibingen-Nortel – welches auch für alle UL freigegeben ist, und ich mich jetzt schon auf euren Besuch freue :-) – um unsere Zodiac auszuhallen.

Dies gestaltete sich zu zweit doch recht abenteuerlich, da wir – wie gesagt, zu zweit – eine Cessna 172 und eine Rattel aushallen mussten, um an unseren Flieger zu kommen. Nach knapp einer halben Stunde gelang uns schließlich auch das, und wir tankten die „Kleine“ voll, um genügend Treibstoff für die beiden Überlandflüge zu haben.

Der Plan war, zuerst nach Giebelstadt (EDQG) zu fliegen, danach wieder auf den Nortel, gefolgt von einem Trip nach Schwenningen (EDTS) und wieder zurück zur Homebase. So starteten wir um kurz vor 11 Uhr local, um festzustellen, dass die Sichten, trotz wirklich toller Sicht am Boden, in der Luft nur ca. fünf Kilometer betrugen. Ernüchtert landeten wir wieder auf dem Nortel, und ich machte mich daran, Ausweichflugplätze abzutelefonieren, da der Weg nach Westen freier zu sein schien, als die anderen Möglichkeiten. Aber selbst Mannheim meldete nur fünf Kilometer Flugsicht, und so beschlossen wir, noch eine halbe Stunde zu warten. Nach einem Anruf in Schwenningen, die mir 15-20 Kilometer Flugsicht meldeten, beschlossen wir dennoch, uns dorthin zu wagen.

Gegen kurz vor zwölf machten wir uns also auf den Weg nach Schwenningen. Wer unseren Platz nicht kennt: Um dorthin zu gelangen, müssen wir zuerst am südlichen Ende der CTR Stuttgart entlang der Albkante entlang, bis wir in Gefilde stoßen, in denen man auch höher als 3.500 ft fliegen darf. Der Weg selbst führt aber den Neckar nach Südwesten entlang, wobei wir eigentlich immer die Albkante touchierten – und bei dem Wetter heute hatten wir eine starke Thermik, sodass es uns ziemlich durchrüttelte, was eine IAS von mehr als 140 km/h unmöglich machte. So kamen wir nach fast unglaublich langen Minuten in Schwenningen an, wobei mich deren riesige Platzrunde doch schwer beeindruckte. Die Sichten auf dem Flug dorthin schwankten zwischen fünf und 20 Kilometern, waren also für einen noch recht unerfahrenen Piloten wie mich durchaus schwierig. Trotz allem gelang mir die Landung, und nur 15 Minuten später waren wir wieder auf dem Heimweg. Glücklicherweise ging der Thermik so langsam die Luft aus, sodass wir etwas schneller fliegen konnten. So waren wir kurz vor 14 Uhr local wieder auf dem Nortel…

Nachdem wir uns dank GPS auch ohne großartige Landschaftsmerkmale nach Schwenningen und wieder zurück gekämpft hatten, stand unser Entschluss fest: Direkt nach der Landung ging es weiter nach Giebelstadt! Ich überraschte meinen Fluglehrer mal wieder, indem ich direkt nach dem Start das FIS anfunkte und Verkehrsinformationen erbat – was er wohl nicht sehr oft macht, aber ich selbst fühle mich dabei deutlich sicherer. Und das FIS meldete auch auf allen Flügen an diesem Tag drei Mal Verkehr, den ich ohne das FIS wohl erst deutlich später gesehen hätte. Von daher die Empfehlung an alle von euch: Die Jungs und Mädels beim FIS sind topfit und helfen, wo sie nur können – nutzt deren Dienst!

So flogen wir über Schwäbisch Hall und Niederstetten (die wir bei der aktuellen Wetterlage „überfliegen“ konnten) nach Giebelstadt. Dort angekommen bekamen wir sogar ein Follow-Me-Car, das uns über Bravo zum Stellplatz 6 brachte. Da nach mir noch ein anderer Flugschüler gerne noch seine Runden drehen wollte, bezahlte ich schnell, um gleich wieder loszufliegen. Kaum am Flugzeug angekommen, erreichte uns ein Funkspruch, ob wir noch fünf Minuten Zeit hätten, was wir bejahten. Zu unserer Überraschung kam Klaus – der Musterbetreuer der Zodiacs in Deutschland – auf einmal zu uns gefahren und begutachte unser Querruder, da unser technischer Leiter Ersatzteile bestellt hatte, die er sich nicht erklären konnte. Er lokalisierte das Spiel im Querruder an einer anderen Stelle als unser technischer Leiter, gab uns die Reparaturanweisungen mit auf den Weg und schmierte sogar noch unsere Kugellager – was für ein Service! An dieser Stelle noch ein dickes Dankeschön an Klaus für die unerwartete Hilfe vor Ort!

Nachdem die Piste in Giebelstadt knappe zwei Kilometer in der Länge beträgt, entschlossen wir uns, entgegen der vorherrschenden Windrichtung in Richtung 26 zu starten, was uns auch genehmigt wurde. Direkt nach dem Abheben wurde uns auch eine Linkskurve in Richtung Süden genehmigt, sodass wir auf schnellstem Wege wieder in die Heimat zurückkehren konnten. Allerdings war die Ceiling inzwischen auf 3.000 ft gesunken, und da laut FIS die Kontrollzone von Niederstetten aktiv war, funkte ich den Platz an, und bat um Durchquerung entweder über die Einflugpunkte oder – bestenfalls – einfach auf unserem Kurs. Letzteres wurde dankenswerterweise genehmigt, und so konnten wir die CTR in 2.800 ft durchqueren. Foxtrot in Schwäbisch Hall wurde erst nach unserem Durchflug aktiv, und so konnten wir unseren Anflug auf den Nortel fortsetzen.

An dieser Stelle nochmals ein dickes Dankeschön an die nette Dame vom FIS, die uns die gesamten Wege über alle möglichen Gefahren, Gegenverkehr und Lufträume auf dem Laufenden gehalten hat – das hat uns einige Umwege und Unwägbarkeiten erspart. Über Göppingen meldete ich mich dann vom FIS ab und landete sauber auf unserer 08 auf dem Nortel, holte mir noch die Unterschriften meines Fluglehrers ein und fuhr so schnell es ging zur Post – mein Antrag auf die Passagierlizenz ging per Expressbrief raus, und so hoffe ich, dass ich am Samstag die erweiterte Lizenz im Briefkasten habe.

nortel_sunset

Nachdem Bernd (der aktuelle Flugschüler) auch noch seine Runden geflogen war, hallten wir die Zodiac wieder ein. Nun heißt es nur noch, auf die Lizenz zu warten – ich freue mich jetzt schon darauf, endlich meine Freunde mitzunehmen und die Zeit in der Luft mit den Menschen zu genießen, die ich gern habe.

Bald ist es geschafft!

Liebe Grüße, Tobias